Wanderung zum Höllerhansl

Johann Reinbacher, besser bekannt als Wunderdoktor Höllerhansl, hat sich schon als Kind, als er mit seinem Bruder Peter das Vieh hütete, mit alten Büchern über Naturheilkunde befasst und war sehr religiös. Nach dem Ersten Weltkrieg begann die große Zeit des „Höllerhansls“. Immer mehr konzentrierte er sich auf die Tätigkeit als Heiler.

Er „ordinierte“ an der Kellertüre seines 1911 neu errichteten Wohnhauses in Rachling und untersuchte Geruch, Farbe und Sedimente des Urins seiner Patienten. Behandelt wurden die von ihm diagnostizierten Leiden mit Kräutertees, die in großen Bottichen im Keller zubereitet wurden. Johann Reinbacher kassierte offiziell nie Geld für seine Behandlung, verkaufte nur die Tees und Ansichtskarten, verlangte aber Spenden , die er auch ordnungsgemäß versteuerte.

So konnten ihm auch zwei Kurpfuscherprozesse 1920 in Stainz und im Juli 1921 in Graz nichts anhaben. Beide Male wurde er nur zu einer Geldstrafe (500 und 10.000 Kronen) wegen der fehlenden Ausbildung verurteilt. Nach dem Grazer Prozess wurde er wie ein Held auf den Schultern aus dem Saal getragen und blieb in Zukunft unbehelligt. Die ausführlichen Prozessberichte und Diskussionen in den Tageszeitungen waren die beste Werbung für ihn.

Danach begann der Ansturm so richtig und zu dieser Zeit mussten an manchen Tagen sogar Nummern an die Wartenden ausgegeben werden. Die 200 bis 500 „Patienten“ pro Tag wurden zu einem Wirtschaftsfaktor für die Region in der schweren Zwischenkriegszeit.  Von Transport, Verköstigung und der Unterbringung der Anreisenden lebten viele in der Region.

Der Besuch beim Höllerhansl im abgeschiedenen Rachling war anstrengend und dauerte wegen der langen Wartezeiten oft einen ganzen Tag. Die Patienten kamen mit ihren Urinflaschen mit der GKB nach Preding-Wieselsdorf und von dort mit der 1892 eröffneten Schmalspurbahn nach Stainz. Schon damals hieß diese Bahn deswegen im Volksmund „Flascherlzug“

Genau diesen Weg wählten wir für unseren Wanderausflug. Allein der Anstieg nach Rachling hat gezeigt, dass viele Patienten schon vorher gesundeten. (Höllerhansl meinte damals schon: „Bei der Anstrengung gehen die Wind ab“).

Nach einem guten Mittagessen ging es für uns wieder zurück zu unseren Autos. Ein Wanderausflug in unserer näheren Heimat war wieder einzigartig